Schuld daran seien nicht nur geopolitische Konflikte, sondern auch die „Enttäuschung darüber, dass die Wirtschaftswende ausbleibt“. Besonders scharf wird Lindner beim Blick auf den Kanzler. „Merz hat als Oppositionschef unterschätzt, wie sich Koalitionen mit linken Parteien auf bürgerliche Politik auswirken. Deshalb kann er seine Versprechen nicht halten.“
Sein zentraler Vorwurf: „Seine Kritik an der FDP in der Ampel kommt wie ein Bumerang zurück. Gegenüber der Vorgängerregierung muss er höhere Schulden, höhere Steuern und mehr Bürokratie erklären.“
Lindner weist Schulden-Vorwurf zurück
Damit dreht Lindner den Spieß um. Jahrelang hatte CDU-Merz die FDP in der Ampel für zu wenig wirtschaftliche Reformen kritisiert. Jetzt, so Lindner, stehe der Kanzler selbst in der Verantwortung – und müsse genau das rechtfertigen, was er früher angeprangert habe. Dabei hatte Merz in der Opposition strikte Haushaltsdisziplin und Entlastungspolitik versprochen. Den Vorwurf, höhere Schulden seien auch ein „Lindner-Erbe“, weist der Ex-Finanzminister entschieden zurück: „Falsch. Während meiner Zeit sind Schuldenquote und Steuerquote gesunken, obwohl mehr investiert wurde.“ Statt neuer Schulden habe er „neue Wahlen in Kauf genommen“.
Erst mal kein Polit-Comeback
Grundsätzlich sieht Lindner ein strukturelles Problem: „Das Problem ist, dass sich die Parteien der Mitte gegenseitig blockieren. Das war in der Ampel genauso wie jetzt.“ Ein Comeback in die Politik schließt Lindner trotzdem aus. „Die Wahrscheinlichkeit, dass ich wieder für etwas kandidiere, geht gegen null.“
Lindner arbeitet heute vorwiegend in der Wirtschaft: Seit Anfang 2026 ist er stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Autohandelskonzerns Autoland AG.






